"Siehe, ich mache alles neu"

Liebe Duvenstedterinnen, liebe Duvenstedter, liebe Leserinnen und Leser überall!

"Siehe, ich mache alles neu" - dieser Satz Gottes auf seinem Thron, den der Seher Johannes in einer Vision hört, soll das biblische Motto, die "Losung" des neuen Jahres 2026 sein.
Es ist vieles, das neu werden muss. Es ist mancherlei, das so nicht mehr weitergeht, aber Hand auf's Herz: Finden Sie diesen Satz eher tröstlich und hilfreich, oder eher erschreckend?
Vielleicht finden Sie ja auch, dass über das neue Jahr und sein Motto und das, was wir erwarten dürfen / müssen, nachzudenken, kurz vor Weihnachten etwas anstrengend - und: In der Advents- und Weihnachtszeit, da soll doch gerade NICHT alles neu werden, da soll es doch so sein, wie immer! Mit den Plätzchen, die wir lieben, mit dem Tannenbaumschmuck, den wir lieben! Die sich drehende Pyramide muss dort stehen, wo sie immer stand, das Ritual am Heiligen Abend soll so sein wie immer - und wir hoffen inständig, dass der Pastor nicht wieder auf die Schnapsidee kommt, die altbekannte Weihnachtsgeschichte in einer neueren Übersetzung vortragen zu lassen oder gar Lieder aussucht, die kein Mensch schenkt - nein, es soll VERTRAUT sein! Dann fühlen wir uns wohl - doch ... :
Alles, was so sein soll wie immer, offenbart vielleicht doch auch, dass es so nie war, wir uns zu erinnern meinen, dass wir von dem träumen, was wir vielleicht früher empfunden haben, aber so war es nie? Oder doch? Jagen wir vielleicht nur einer Illusion hinterher, wenn wir auf das hoffen, was wir uns von früher her ersehnen? Oder war es vielleicht wirklich so, aber die Zeiten haben sich geändert, und wir folgen nur alten vertrauten Ritualen, die uns nichts mehr sagen, die vielleicht überholt sind?

Die Geschichte, um die es Weihnachten geht, und die wir irgendwie immer so hören, erleben, feiern wollen, wie immer, oder die uns gar nicht mehr so wichtig ist, weil anderes in den Vordergrund gerückt ist, diese Geschichte erzählte einmal von etwas, was so noch nie erzählt wurde, von etwas, das vollkommen neu und unerhört war: Gott, der unsichtbare Schöpfer, die Energie, die in einem ungeheuren Energieblitz die Grundlage von allem Sein aus sich herausgesetzt hat, kommt in Gestalt eines Mitgeschöpfes auf einen winzigen Planeten, um die Beziehung zu den dortigen Menschlein auf eine völlig neue Basis zu stellen.
Das ist so neu wie nur irgendwie was. Denn normalerweise denken die Menschen, Gott sitzt im Himmel und verteilt Gebote und dann Zensuren, macht den Daumen hoch oder den Daumen runter. Und auch in unserem christlichen Glauben kommen diese alten Zöpfe immer und immer wieder durch.
Aber eigentlich erzählt die Weihnachtsgeschichte etwas ganz Neues - und das biblische Motto, die Losung für das Jahr 2026 lädt uns ein, dieses Neue neu zu durchdenken, damit sich vielleicht doch einmal wieder etwas tut. Damit die Selbsterniedrigung Gottes uns Menschen von unserem Wunsch nach einem hohen Ross runterholt.
Natürlich hatte das Christentum in seiner fast 2000jährigen Geschichte nichts eiligeres zu tun, als mit dem Glauben an Jesus Christus doch wieder altbekannte Machtverhältnisse zu zementieren: Kaiser "legitimieren", Bischöfe "ermächtigen" u.s.w. u.s.f. Und das, obwohl wir von Anbeginn wissen könnten, dass das falsch war und ist. Denn an Weihnachten hat Gott in Jesus Christus alles neu gemacht: die Macht entmächtigt, der Liebe mehr Raum gegeben als der Autorität. Das wäre auch heute, über 2000 Jahre nach der Ankunft Gottes in dieser Welt, etwas vollkommen Neues.
Dem nachzuspüren lade ich Sie und Euch in dieser Advents- und Weihnachtszeit - und im ganzen neuen Jahr - herzlich ein. Ihr und Euer Peter Fahr, Pastor in Duvenstedt - und ein bisschen auch in Tangstedt

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