"Die von der Kirche müssten mal..."
Ja, was denn eigentlich? Und wer sind das - die von der Kirche? In Duvenstedt der Kirchengemeinderat (früher: die Kirchenvorsteher), und/oder der Pastor, die Sekretärin, die Musikerin, weitere Mitarbeitende? Nur die Angestellten oder auch die Ehrenamtlichen? Oder nicht doch eher "die da oben" - Propst, Bischöfin, Kirchenkreis, Nordkirche?
Wer ist denn überhaupt Kirche? Nicht irgendwie auch wir alle?
Wir alle, egal ob Kirchenmitglieder, Vereinsmitglieder, Bürgerinnen und Bürger, wir alle stehen in der Gefahr, die Verantwortung nach oben abzugeben. Natürlich ist nicht jeder immer für alles verantwortlich, das funktioniert nicht - und Arbeitsteilung ist ein vernünftiges Prinzip. Dennoch gibt es in einem demokratischen Gemeinwesen schon auch die Idee, dass es ohne "Bürgerbeteiligung" für die gewählten Regierenden und damit für uns alle schwierig wird.
Und das ist bei der Kirche noch in ganz anderem Maße der Fall.
Kirche sind wir alle - also zunächst alle, die (noch?) Mitglied sind, aber vielleicht auch diejenigen, die nicht Mitglied sind und sich doch irgendwie zugehörig, christlich, fühlen.
Das mit der Kirche etwas nicht in Ordnung ist, das merken wir natürlich auch allesamt. Sie schrumpft, die Verbindlichkeit des christlichen Glaubens nimmt ab (ist ja vielleicht auch in Ordnung, Zwang und moralische Bevormundung - das will ja niemand) und allenthalben werden Kirchen geschlossen, entwidmet, verkauft - und in den Niederlanden können wir sehen, wie es läuft - in vielen Städten sind die großen Hauptkirchen schon gar nicht mehr im Besitz der Gemeinden sondern sind in den Besitz von Theatern, Städten, privaten Betreibern übergegangen, die Kirchen sind Bibliotheken, Veranstaltungsräume, Restaurants, Hotels oder noch anderes.
Wenigstens werden die Gebäude gerettet - aber christliches Leben findet in ihnen mehrheitlich nicht mehr statt - und hier bei uns in Hamburg ist die Frage, wie lange es noch so weitergehen kann, wie bisher, also mit vielen kleinen Kirchen in der Nähe und der Möglichkeit, immer jemanden als Ansprechpartner*in zu haben. Sicherlich nicht mehr allzulange. Es funktioniert in Zukunft so nicht mehr. Es ist zu teuer - und für immer weniger Leute kaum aufrechtzuerhalten.
Aber wo wollen wir dann hin mit der Kirche?
Die Pröpstinnen und Pröpste unseres Kirchenkreises Hamburg-Ost haben ein Papier "Zukunftsplan 2040" erstellt, wo es um notwendige Umstrukturierungen geht - ins Auge gefasst ist eine völlige Neuordnung der Gemeinden, dass es letztlich in Hamburg (soweit es zum Kirchenkreis HH-Ost gehört) nur noch 6 Großgemeinden gibt.
Das ist - wie man sich denken kann - höchst umstritten.
"Die Kirche sollte doch mal..." - ja, was denn?
Kirchengemeinden fusionieren? Oder sich dafür einsetzen, dass alles so bleibt wie bisher? Nur das ist leider bei den gegenwärtigen Gegebenheiten nicht mehr finanzierbar.
Oder soll sich die Kirche vielmehr politisch engagieren gegen dies und das (nach persönlicher Vorliebe bitte einsetzen!)? Oder sich eher theologisch äußern, Menschen für den Glauben werben? Oder sich ganz aus der Öffentlichkeit zurückziehen (Glaube ist schließlich Privatsache?) ?
Es ist und bleibt schwierig.
Wir können weiter auf dem Standpunkt stehen: Die da oben müssten mal ... aber selbst wenn wir das alle meinen, wir würden uns vermutlich niemals darauf einigen können, WAS die denn da oben mal tun müssten.
Insofern ist es das Einfachste, das Hilfreichste und Erfolgversprechendste, wenn diejenigen, die von Kirche noch was wollen, von Kirche etwas erwarten, sich selbst als Teil von Kirche begreifen.
Es geht nicht ohne einen jeden / eine jede von uns. Wir alle sind Kirche.
Mir wäre es auch lieber, wenn die Kirche, also sagen wir mal, UNSERE Kirche, die evangelisch-lutherische Nordkirche (nicht der Papst, der ist katholisch), wenn unsere Kirche ein Leuchtturm des Glaubens mit neuen theologischen Ideen und einer zuversichtlichen modernen Version der Evangeliumsverkündigung die Scharen begeistern würde.
Das ist sicherlich nicht ganz leicht, und das wird an vielen Stellen auch immer wieder versucht - mit neuen Gottesdienstideen, mit seelsorgerlichen Angeboten für möglichst viele Zielgruppen, mit diakonischem Engagement in mancherlei Notlagen - es geschieht schon viel.
Und doch sind solche strukturellen Ideen, wenn sie dann durch die Presse gezogen werden, oftmals ein Zeichen von theologischer Verzagtheit. Es geht nur noch um Struktur und Geld und Organisation und Pfarrermangel und Residenzpflicht (soll ein Pastor die Dienstwohnung neben der Kirche beziehen müssen? Kann man damit noch junge Menschen für den Pastorenberuf begeistern?).
Letztlich hängt die Zukunft der Kirche an der Frage: Schaffen wir es mit Gottes Hilfe die Menschen für die Botschaft von Jesus Christus zu interessieren, zu begeistern? Das schafft ein Pastor, eine Bischöfin, ein Kirchenkonzert, eine Ausstellung, ein Weihnachtsgottesdienst nicht alleine. Die Kirchengemeinde wird die Jugend für das Evangelium nicht begeistern können, wenn die Eltern den Kindern nicht irgendwann mal eine Kinderbibel geschenkt und gar daraus vorgelesen haben. Der Gottesdienst wird sich nicht verändern und wird niemanden mehr interessieren, wenn immer weniger Leute da sind und der Gesang immer kläglicher wird. Die Kirche hat keine Zukunft, wenn die Eltern nichts dafür tun, dass die Kinder den Glauben kennenlernen.
Ich weiß, das klingt leicht vorwurfsvoll, aber nur mit Erwartungen an "die da oben" wird es nicht funktionieren. Und wenn euch etwas fehlt, ihr euch mehr Theologie, mehr Glauben, mehr Verkündigung, mehr fröhliche Feste und mehr Zuversicht wünscht, dann fragt es nach! Schreibt der Bischöfin, schreibt dem Propst, schreibt mir bzw. uns! Dafür sind wir da, über den Glauben zu sprechen, über Gott und Jesus Christus zu reden, über das, was uns das Evangelium bedeuten kann, über das, was Gott mit uns vorhat, was wir mithelfen können und wie eine gute Beziehung zu Gott uns helfen kann.
Ein schönes Projekt für 2026 und die nachfolgenden Jahre.
Und selbst wenn so manches Kirchlein aufgegeben werden muss und wenn noch mehr Menschen der Kirche den Rücken kehren: Das Evangelium wird nicht verstummen. Die Welt braucht es. Dringend.
In diesem Sinne wünsche ich einen zuversichtlichen Frühling und ein vertrauensvolles Ostern und Pfingsten und ...
Ihr und Euer Peter Fahr