Ein Beitrag aus der Gemeinde zur Zukunft unserer Gemeinde - von Stephan Rieken

Besonders viele Interessierte hatte sie nicht – unsere Gemeindeversammlung am Sonntag, 22. Februar, im Anschluss an einen Gottesdienst mit Abendmahl (etwa 30 Personen zum Thema „Zukunft der Cantate-Kirche“, PF)

Schade und unverständlich in einem Umfeld, das aus demoskopischen, vor allem aber finanziellen Gründen dazu führt, dass Kirchen geschlossen, entwidmet und sogar abgerissen werden müssen. Es wird in den nächsten Jahren nicht mehr weitergehen, wie gewohnt und vertraut.
Weihnachtsgottesdienst immer – gehört zum Fest dazu; Ostergottesdienste - wenn’s ins persönliche Programm passt; und ansonsten gern die Dienstleistungen für Taufe, Hochzeit und Trauerfeier – aber auch dafür gibt es Alternativen.

Wer wird registrieren, dass die Kirche im Dorf keine Kirche mehr ist, sondern ein Medizinisches Versorgungszentrum, eine Kletterhalle oder vielleicht ein Kolumbarium mit den Urnen der Verstorbenen in einem Hightech Hochregallager.

Unser Kirchengemeinderat bemüht sich sehr, das breite Angebot der Kirche weiterhin aufrecht zu erhalten. Zusätzliche Veranstaltungen, mehr Bemühungen um junge Familien mit Kindern und viele weitere Bereiche einer umfassenden Gemeindearbeit werden intensiviert. Räumlichkeiten werden renoviert, dringend notwendige Instandhaltungen erfolgen und vieles mehr.

Nur, der Gürtel muss immer enger geschnallt werden. Kontinuierlich sinkenden Einnahmen aus Kirchensteuern stehen, trotz aller Bemühungen, keine hinreichenden Einnahmen aus Vermietungen, Spenden usw. gegenüber. Der Mittelbedarf steigt. Viele Mängel an der nun sechzig Jahre alten Gebäudesubstanz können nicht mehr durch eine schnelle Reparaturen behoben werden. Aufwendige Sanierungen benötigen großes Engagement der überwiegend ehrenamtliche Mitarbeiter und noch mehr Geld. Die in der Vergangenheit gebildeten Rücklagen schmelzen dahin. In vier, fünf Jahren sind die Mittel verbraucht.

Unser Pastor geht nach 33 Jahren als Seelsorger unserer Gemeinde in den Ruhestand. Neben allen strukturellen und finanziellen Problemen verursacht diese Zäsur die meisten Irritationen, den größten Schmerz. Gibt es eine Nachfolge? Wie und wann und wer? Der für uns zuständige Propst sagt zu, dass es wahrscheinlich eine Lösung geben wird. Aber nicht mehr nur für uns. Wir müssen uns zukünftig einen Pastor/innenpool mit den Gemeinden der Region teilen. Besser als nichts – nur natürlich ganz anders als vertraut. Und wie lang der derzeit geltende Quotient für das Verhältnis Pastor/in zu Anzahl der Gemeindemitglieder gilt, ist unbestimmt. Es ist zu erwarten, dass die Region einfach vergrößert wird und Kirchen geschlossen werden – jüngstes Beispiel Simon-Petrus-Kirche Poppenbüttel.

Die Bergstedter Kirche hat eine Existenzberechtigung durch den historischen Hintergrund, die historische Bausubstanz. Die Volksdorfer Kirche am Rockenhof hat eine Berechtigung durch ihre Einbettung in verschiedene Institute der Kirchenkreises. Aber Lemsahl-Mellingstedt, Ohlstedt und letztlich auch Duvenstedt: Was ist besonders, warum sollten diese Kirchen überleben? Nüchtern betrachtet fällt mir kein Argument dafür ein. Allein das Alte, Vertraute, Gewohnte ist kein triftiges Argument.

Nur eine besondere Funktion, ein gewichtiges Alleinstellungsmerkmal können unser Überleben ermöglichen. Wir brauchen eine zündende Idee, einen Vorschlag, ein Konzept, dass viele Menschen, weit über unsere Gemeindegrenzen hinaus anspricht. Wenn dabei zusätzlich noch unser Gebäudebestand auf ein Maß reduziert kann, dass wir dauerhaft finanziell stemmen können – prima. Das wäre doch gut.

Mir geistert seit Längerem eine Idee durch den Kopf: Es wäre großartig, könnten wir einen Träger für Bau und Betrieb eines Hospizes gewinnen. Wir haben freies Gelände und sehr viele Gebäudeteile, die für uns verzichtbar wären.

Es ist nur eine Idee, ein Gedanke. Es gibt sicherlich noch viel mehr und bessere Ideen und Konzepte. Vielleicht sollten wir darüber gemeinsam nachdenken, bevor der Geldhahn versiegt und die letzten Notgroschen ausgegeben sind.

Stephan Rieken

Beitrag teilen