Wie geht es weiter mit unserer Kirchengemeinde?

Liebe Duvenstedterinnen und Duvenstedter - liebe Tangstedterinnen und Tangstedter!

Zum 1.5. haben die Gemeinden der Region einen Pfarrsprengel gebildet. Das klingt zunächst nach irgend einem innerkirchlichen Verwaltungsthema, das die ganz normalen Gemeindeglieder eigentlich nicht zu interessieren bräuchte.

Das stimmt allerdings nicht ganz. Denn ab dem 1.5. gibt es keine Pfarrstellen mehr, die den einzelnen Gemeinden zugeteilt sind. So ist aus der Pfarrstelle der Kirchengemeinde Duvenstedt jetzt die 5. Pfarrstelle des Pfarrsprengels "Walddörfer-Oberalster" geworden, und aus der Pfarrstelle der Kirchengemeinde Duvenstedt die 4. Pfarrstelle unseres Pfarrsprengels. D.h.: Das traditionelle Dreieck: Mein Kirchturm, meine Pastor, meine Gemeinde - das wird es in Zukunft so nicht mehr geben, weil sich die Pastorinnen und Pastoren in einer größeren Einheit ihre Arbeit neu einteilen. Das kann zur Folge haben, dass alle Pastoren und Pastorinnen in allen Gemeinden auftauchen. Oder das manche Themen aufgeteilt werden, dass es also einen Jugendpastor, eine Seniorenpastorin, einen Öffentlichkeitspastor, eine Kindergartenpastorin geben könnte. An solchen thematischen Aufteilungen arbeiten wir bereits. Wie Sie vielleicht wissen, bin ich (P.Fahr) vielfach als Seniorenpastor unterwegs. Und diese thematische Aufteilung hat ja unter Umständen auch durchaus den Vorteil von Spezialisierung und besonderer Kompetenz und Liebe.

Auf der anderen Seite kann ich natürlich die Befürchtungen verstehen, dass die persönlichen Beziehungen nicht mehr so wie früher möglich sind. Es muss nicht mehr so sein, dass mein Dorfpastor, meine Dorfpastorin die eigene Familie von der Taufe bis zum Ende begleitet, auf dem Markt zu finden ist, immer ansprechbar, immer bereit ist. Aber seien wir mal ehrlich: Wie oft haben Sie diese theoretische Möglichkeit eigentlich wirklich wahrgenommen? Wie sehr haben Sie davon für ihr eigenes Leben als Christin oder Christ wirklich profitiert? Oder ist es nicht eigentlich mehr eine Vorstellung, die wir liebgewonnen haben, aber die doch eigentlich für unser eigenes Leben keine so ganz große Rolle mehr spielt? Natürlich sind da die privaten Unterschiede durchaus bemerkbar, aber insgesamt ist dieser direkte Draht doch nicht mehr so nachgefragt, dass die Kirche diese Umorganisation nicht vornehmen dürfte.

Vielleicht müssen wir unsere christliche Existenz ganz neu denken? Ich möchte Sie herzlich einladen, sich wirklich zu fragen: Was brauche ich? Womit kann ich etwas anfangen? Wofür könnte ich sogar bereit sein, in eine Nachbargemeinde zu fahren? Das Angebot wird vielfältiger, die Möglichkeiten, sich seines Glaubens zu vergewissern, werden reicher, wenn wir unsere Beweglichkeit mitdenken.

Zur Erinnerung: Vor 500 Jahren gab es in unserer Gegend eine einzige Kirche, die Kirche in Bergstedt. Wer zum Gottesdienst wollte, musste aus Tangstedt oder Ahrensburg oder Poppenbüttel oder woher auch immer mit Pferd und Wagen anreisen. Eine persönliche Beziehung zum Pastor war da kaum möglich. Da haben wir es ungleich bequemer. Das, was wir für die althergebrachte Struktur von Kirche halten, ist im Grunde genommen erst nach dem II. Weltkrieg gewachsen, als es die Idee gab, jeder Mensch in der Stadt Hamburg sollte nicht länger als 10 Minuten zu Fuß zu einer Kirche gehen müssen. Mittlerweile ist diese Idee nicht mehr finanzierbar. Zu wenige Kirchenmitglieder, zu wenige Einnahmen, zu viele Bauprobleme, zu wenig Pastorennachwuchs. Es funktioniert nicht mehr.

Auf der anderen Seite fahren viele Gemeindeglieder, wenn es etwas Besonderes gibt, gerne in die Stadt: Matthäuspassion im Michel, Orgelkonzert in der Jakobikirche, Chor in Poppenbüttel, Orchester in Volksdorf, Ausstellung hier, Nacht der Kirchen dort - wir sind flexibler und unternehmungslustiger geworden. Die Lichtspurenandachten in Tangstedt wirken mittlerweile über die eigene dörfliche Struktur hinaus, der Weltgebestag wird abwechselnd in Duvenstedt und Tangstedt begangen, das Himmelfahrtsfest findet zentral auf den Alsterwiesen in Ohlstedt statt - es geht doch. Und jeder kann finden, was er oder sie mag. Und wenn ein Ortspastor dem einen oder der anderen nicht so liegt, kann man sich an jemand anderes wenden. Ein gewaltiger Vorteil.

Vielleicht gelingt es uns, in unseren 4 Gemeinden Tangstedt, Duvenstedt, Oberalster-Bergstedt und Volksdorf, Heimat nicht an einem Kirchturm zu finden oder in einem Stadtteil bzw. Dorf, sondern sich im christlichen Glauben, in der viel größeren "Gemeinschaft der Heiligen" (wie es im Glaubensbekenntnis heißt) beheimatet zu fühlen.

Natürlich braucht es auch inklusive Ideen. Senior*innen können nicht einfach so von Gemeinde zu Gemeinde reisen, Kinder und Jugendliche auch nicht, wenn nicht dauernd das Elterntaxi in Anspruch genommen werden soll. Da wird es nach wie vor lokale Lösungen geben müssen.
Am wichtigsten ist es, dass sich die Mitchristinnen und Mitchristen in den Gemeinden klar machen, was sie sich wünschen und das auch kommunizieren. Mit vagen Gefühlen und unausgesprochenen Erwartungen kann niemand etwas anfangen.

Ich könnte mir vorstellen, dass etwas Neues nicht notwendig gleich "schlechter" bedeuten muss. Und wenn Sie Bitten an die Gemeinden haben: Schreiben Sie uns, formulieren Sie ihre Wünsche! Wo Sie helfen können, bringen Sie sich ein! Ohne ein großes Team kann es nicht funktionieren, bisher nicht - und in Zukunft erst recht nicht! Und ich wünsche den Gemeinden, dass sich mit den Neuerungen - gegen Ende des Jahres werden im Pfarrsprengel voraussichtlich 5,5 Pfarrstellen besetzt sein - auch neue Perspektiven ergeben, neue Formen des Glaubenslebens, der Zusammenkünfte, neue Beziehungen und vor allem das Gefühl: der christliche Glaube ist wichtig und wird in herausfordernden Zeiten dringend gebraucht!

In diesem Sinne grüßt Sie und Euch sehr herzlich Ihr und Euer Peter Fahr, Pastor

Beitrag teilen