Pilgerherberge? In Duvenstedt?
Ehrlich gesagt: so erging es mir vor einigen Jahren, als ich erstmalig darum gebeten wurde, einer Pilgerin ins Gemeindehaus Einlass zu gewähren.
Pilgern. Das war für mich Santiago de Compostela, der Jakobsweg in Südeuropa, vielleicht noch eine Pilgerreise nach Jerusalem.
Aber: hier?! Im Norden Deutschlands? Pilgern? Und warum wollen hier bei uns in Duvenstedt Pilger übernachten? Wo bitte pilgern die denn entlang?
Doch dann fiel mir etwas ein: die Jakobsmuschel! Die habe ich doch hi und da schon gesehen. Im
Alstertal, am Wanderweg. Ein kleines Zeichen in blau und gelb. Angebracht an Bäumen oder unterhalb von Verkehrsschildern.
Und mir fiel ein kleines, unscheinbares Poster ein, welches im Kirchenbüro zu entdecken ist.
Via Jutlandia, Via Scandinavica und Via Baltica sind darauf verzeichnet. Diese drei Wege gehören zu den Jakobswegen in Norddeutschland. Und unsere Cantatekirche liegt unweit der Via Baltica.
Diese Via Baltica verläuft von Usedom kommend über Greifswald, Rostock, Wismar, weiter nach Lübeck, durch Hamburg, Bremen und weiter bis nach Osnabrück. Ab hier wird die Reise dann auf den
westfälischen Jakobswegen fortgesetzt.
Um in unserem Gemeindehaus zu übernachten, verlässt man die eigentliche Pilgerroute ein Stück weit, welche ab dem Duvenstedter Triftweg dem Verlauf der Alster folgt.
Viele Pilgerinnen und Pilger nutzen hier bei uns die Möglichkeit noch einmal in ruhiger Umgebung zu übernachten, bevor es dann über Poppenbüttel nach Ohlsdorf und weiter ins Zentrum geht. Oft haben sie nur eine kurze Etappe hinter sich gebracht, teilweise auch abseits der „offiziellen Route“. Andere wiederum kommen vom Kloster Nütschau in Travenbrück (nahe Bad Oldesloe) und haben einen deutlich längeren Weg hinter sich.
Um den Pilgerinnen und Pilgern eine angenehme Nacht zu ermöglichen, haben wir vor einiger Zeit zwei Pilgerbetten angeschafft. Die vorhandenen Feldbetten kommen weiterhin bei größeren Pilgergruppen zum Einsatz.
Manch einer mag sich fragen: lohnt sich das denn? Wie viele Pilger:innen kommen denn so im Jahr? 3 oder 4? Oder sogar 7?
Die Antwort mag überraschen, aber hier pilgern so einige Menschen vorbei! In den Sommermonaten haben wir Phasen, in denen jede Woche ein oder auch mehrere Pilger:innen hier bei uns übernachten. Wir kommen auf einen sehr deutlich 2stelligen Bereich.
Wir haben hier in der Gemeinde einige Ehrenamtliche (die „Herbergsmütter“), die die Pilger:innen gern in Empfang nehmen und neben einer kleinen Führung durch das Gemeindehaus seit einiger Zeit auch kleine Segenskärtchen zur Erinnerung überreichen.
Einige Pilger:innen sind einfach nur froh angekommen zu sein und freuen sich über Ruhe und einen angenehmen Schlafplatz. Andere erzählen gern ein bisschen was z. B. von ihren bisherigen Erfahrungen und Eindrücken auf ihren Pilgerreisen, wo sie herkommen, mit welcher Intention sie das Pilgern begonnen haben. Es entstehen mitunter wirklich interessante Gespräche und ein kleiner Austausch.
Wie vielen von euch bereits wissen: auch bei uns in Duvenstedt könnt ihr erste Pilgererfahrungen machen. Beate Faasch und Barbara Bruss bietet kleine Touren für die ersten Schritte an regelmäßigen Terminen an.
In diesem Sinne möchte ich mit einem kleinen Zitat von Franz Kafka enden:
„Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.“