Abschied - Rückschau - Dank - Ausblick

Liebe Duvenstedterinnen und Duvenstedter!
33 Jahre haben meine Frau und ich mit Ihnen und Euch gelebt - zuletzt, seit einem Jahr, schon ein bisschen aus der Entfernung. Wir haben unsere Kinder in Duvenstedt großgezogen, und wirklich sehr viel in der Kirchengemeinde ERlebt. Meiner Familie verdanke ich viel Rücksicht und Verständnis für das reichhaltige Arbeitsfeld "Kirchengemeinde".
33 Jahre Pastor an einer einzigen Dienststelle. Eigentlich wollte ich das nie, dachte, alle 10-15 Jahre sollte man wechseln. In manchen Landeskirchen muss man das sogar. Und nun habe ich genau mein halbes Leben bei Ihnen und Euch zugebracht. Das war nicht (nur) schlecht, im Gegenteil, es war größtenteils wunderbar. Wir haben gerne in Duvenstedt gelebt, zeitweilig sogar mit einem kleinen Hund - was uns wieder ganz andere Bekanntschaften einbrachte. Duvenstedt war unsere Heimat.

Die Cantate-Kirche mit ihrem roten Pfingstkreuz ist uns ans Herz gewachsen - und zwischen den bunten Fenstern den Glauben feiern - das war und ist wirklich großartig - und viel mehr Menschen sollten das entdecken - es tröstet, hilft und schenkt eine wunderbare Auszeit vom Alltag, die dann auch wieder Kraft gibt. Und viele haben mitgemacht, musikalisch, organisatorisch, lesend, helfend - und einfach anwesend. Manchmal waren wir nur wenige, manchmal viele. Und ich hoffe sehr, bisweilen war die Anwesenheit des Heiligen Geistes spürbar - beim Hören, beim Lesen, beim Beten, beim Singen, beim Schauen ...

Natürlich bin ich mit manchem gescheitert und sicherlich habe ich manchmal auch nicht den richtigen Ton getroffen. Das tut mir herzlich leid.

Aber ich habe trotzdem die Hoffnung, dass ich vielfach helfen, anregen, etwas anstoßen, schöne Gottesdienste, Feste oder andere Unternehmungen anregen, durchführen, zur Freude vieler leiten durfte. Und ich konnte die Initiativen engagierter Mitchristen erleben, fördern und begleiten, und ich freu(t)e mich über alles, was ohne mein Zutun durch die Tatkraft anderer - und die Begleitung Gottes - wuchs und gedieh.

Ich habe leidenschaftlich gern mit euch Gottesdienste gefeiert, Weihnachten genauso gerne wie einen ganz normalen Sonntagsgottesdienst, dann wieder Taufen, Trauungen, Schulanfängergottesdienste, Konfirmationen u.v.m. - ja, auch Abschiedsgottesdienste habe ich gern geleitet, weil ich weiß, wie wichtig diese Aufgabe ist.

Ich hätte mir gerne noch mehr die Köpfe heiß diskutiert über Bibel und Glauben, über theologische Fragen, über Sünde und Vergebung, über Schöpfung und Wissenschaft, über alles, was uns bewegt und berührt, was uns zweifeln und beten lässt, wo wir hadern und wo wir neue Hoffnung schöpfen. Ich hoffe für mich - und für Sie und Euch -, dass diese Diskussionen viel häufiger und öffentlicher weitergehen, denn nur ein Glaube, über den geredet wird, den man teilt, kann sich entwickeln. Glaube ist eben nicht nur Privatsache sondern mindestens ebenso eine Gemeinschaftsaufgabe.

Mit einem Adventsbasar habe ich 1993 angefangen, mit einem Adventsbasar geht meine Dienstzeit 2026 zu Ende. 34 Basare, erst groß, Jahre und Jahrzehnte, dann Pandemie - und jetzt im kleinen, feinen Rahmen - und jetzt auch zweimal im Jahr: 1. Advent und Palmsonntag.

Die freundschaftliche Beziehung zur FF-Duvenstedt, die mit dem langjährigen Küster unserer Gemeinde und ehemaligen Wehrführer Klaus Daunicht begonnen hat, der leider viel zu früh, noch in seiner Dienstzeit gestorben ist, hat sich immer mehr intensiviert. Den Flohmarkt, St.Martin, die Weihnachtstanne - das alles könnten wir ohne die Kamerad*innen nicht durchführen. Was haben wir schön zusammen gefeiert, bei der Feuerwehr und bei uns - immer eine schöne Gemeinsamkeit, für die ich mich herzlich bedanken möchte.

Auch die anderen Institutionen im Dorf, vornehmlich die Vereinigung mit Theater und Orchester, hatten und haben ein freundschaftliches Verhältnis zur Kirche - ohne das Orchester wären St. Martin, 1. Advent und Heiligabend nicht denkbar - das Frühjahrskonzert in unserer Kirche ist Jahr für Jahr ein Ereignis - und es hat viele andere Berührungspunkte gegeben, für die ich sehr dankbar bin.
Und auch die beiden Einweihungsgottesdienste auf dem Sportplatz des DSV bleiben in guter Erinnerung ...

Ebenso ist die Nachbarschaft zur Grundschule und zur KiTa Himmelblau bereichernd, die Schule besucht die Kirche, feiert ihren Abschluss vor Weihnachten in der Kirche, Kindergartengruppen erleben den Kirchraum - und der Pastor darf alle paar Wochen in der großen Halle mit den Kindern biblische Geschichte erleben. Das ist nicht selbstverständlich.

Mit vielen, sehr vielen Menschen durfte ich in der Kirchengemeinde zusammenarbeiten. Und von denen, die angestellt sind, gleichviel mit wie viel Stunden, hat niemand jemals nach der Stechuhr gearbeitet. Alle, angestellte wie ehrenamtliche Mitarbeitende, haben ihren Teil zum Gelingen des Ganzen beigetragen und mit ihrer Kraft, ihrem Engagement und ihrer Begabung dazu beigetragen, dass die Gemeinschaft der Heiligen um einen oder mehrere Aspekte reicher geworden ist.

Hier einzelne hervorzuheben, wäre ungerecht - sehr ungerecht, gleichviel ob sie im Kirchengemeinderat mit mir die Geschicke der Gemeinde geleitet oder als Gute Geister ehrenamtlich zum Gelingen so vieler Zusammenkünfte beigetragen haben, ob sie völlig selbständig die Bücherstube betrieben oder sich um Haus und Hof gekümmert haben, ob sie mit Musik das kirchliche Leben bereichert oder sich um bildende Kunst gekümmert haben , ob sie am Gottesdienst mitgewirkt und z.T. sogar Predigtteile vorbereitet haben, ob sie als Gastgeberinnen für Pilgernde oder als Leiterinnen einer eigenen Pilgergruppe unterwegs sind, ob sie die ältere Generation zum Geburtstag besucht haben oder im Kirchenbüro die erste Anlaufstelle für mannigfaltige Anliegen waren, ob sie den Schaukasten gestalteten oder den Gemeindebrief erstellten - ob sie Gruppen, für Große oder Kleine, geleitet, Zusammenkünfte organisiert und Veranstaltungen geplant und durchgeführt haben. Und ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass all diese Liebe in die Zukunft weitergetragen wird.

Es ist immer noch mehr denkbar, es fehlt immer an allen Ecken und Enden, aber insgesamt ist die Gemeinde gut aufgestellt, mit all den gemeinschaftlichen, musikalischen und künstlerischen Elementen, die sich um unser Gotteshaus "Cantate-Kirche" angelagert haben.

Und dennoch ist natürlich nicht alles ideal. Die Gemeinde ist von ihrem Höchststand von ca. 2400 Gemeindegliedern auf unter 1700 gefallen. In ihren besten Zeiten waren 60% aller Bewohnerinnen und Bewohner evangelisch-lutherisch. Jetzt ist das kaum noch ein 1/4 aller Bewohnerinnen und Bewohner.

Und trotzdem hoffe ich, dass das Evangelium im Leben vieler Menschen Spuren hinterlassen hat, bei allen Generationen, Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen aller Altersklassen. Natürlich kann eine Gemeinde mit einer einzigen Pfarrstelle nicht alle Bedürfnisse bedienen - und die Defizite habe ich bisweilen sehr deutlich empfunden.

Haus und Hof der Kirche befinden sich in einem Zustand fortwährender Erneuerung. Sehr viel ist in den letzten Jahren geschehen - und einiges muss noch gemacht werden - so ein Ensemble fordert uns dauerhaft. Große Verdienste hat sich in den letzten Jahren auf diesem (und noch einigen anderen) Gebieten Heiko Poggensee erworben. Ohne ihn stünden wir jetzt schlechter da.

Aus den letzten 33 Jahren möchte ich nur einen weiteren Namen erwähnen, eine Mitchristin, ohne deren Engagement die Kirche nicht das wäre, was sie heute ist: Silke Wenzel. Abgesehen von Familie und Beruf kann man - glaube ich - sagen: Sie hat für die Kirche gelebt. Danke!

Und all das, was jetzt vor meinem inneren Auge vorbeiläuft (Mittwochsandachten, Kinderbibelwochen, Dänischkurse, Konfistunden, Seniorenkreise, Jugendgruppen, Kindergruppen, Themenabende, Gesprächskreise, Ausflüge, Freizeiten, Ausstellungen, Konzerte, Kirchennächte, zahllose Gottesdienste u.v.m.), erfüllt mich mit Dankbarkeit, dass wir das alles erleben durften.

Das Entscheidende sind natürlich, wie ja auch schon deutlich wurde, die Menschen, die ich kennengelernt habe: Was gibt es Schöneres, als wenn Kindergarten- oder Schulkinder fröhlich winken oder grüßen, weil sie mit der Kirche schon einmal etwas Gutes erlebt haben? Was ist bewegender, als wenn Jugendliche neugierig sind und als eigenständiges Gegenüber Beziehung aufnehmen? Was ist anrührender, als wenn Menschen in anspruchsvollen Lebenslagen nach Gott fragen? Was erfüllt wohl mehr mit Dankbarkeit, als wenn sich die ältere Generation im Seniorenkreis gut aufgehoben fühlt und Lust hat, miteinander Zeit zu verbringen?

Die Seniorenarbeit war in den letzten Jahren mein zentrales Arbeitsfeld, nicht nur in Duvenstedt, sondern auch darüber hinaus - nicht nur in Seniorenkreisen sondern auch in verschiedenen Pflegeheimen. Auch hier durfte ich viel positive Rückmeldung erleben.

Ich könnte noch stundenlang weiterschreiben, aber dazu reicht der Platz nicht aus. Was mir bleibt, ist, der Kirchengemeinde Duvenstedt, ihren Menschen, der ganzen Dorfgemeinschaft - und - das ist die Zukunft - dem größeren Verbund Pfarrsprengel ein gutes Händchen und Gottes Geist zu wünschen, damit das Evangelium der Liebe Gottes in Jesus Christus wieder mehr Menschen ergreift, damit unser Dorf, unsere Stadtteile, unsere Gemeinde, unsere Kirche - letztlich: unsere Welt - nicht in eine Abwärtsspirale gerät sondern eine gute Zukunft vor sich hat - bei allen Aufgaben, mit denen wir konfrontiert werden. Meine guten Wünsche gelten dem gesamten Pfarrteam, insbesondere der jungen Kollegin, die möglicherweise bald ins Duvenstedter Pastorat einzieht, der Mitarbeiterschaft und allen Menschen, die Kirche brauchen - und das sind alle!

Es grüßt herzlich Ihr und Euer Peter Fahr

PS.: Die Bilder sind eine Hochzeit draußen in Planten und Blomen, eine Seniorenfreizeit nach Breklum - vor der Cafeteria des Noldehauses -, eine Kunstausstellung in Wittenberg 2017 im Rahmen einer Konfifreizeit und ein Gottesdienst in einem Pferdestall.